Keine Frage des Glaubens...

Auch wenn immer wieder von verschiedenster Seite zu hören ist, es sei völlig unerheblich welcher "Saft" nun in den Bremsflüssigkeitsbehälter gefüllt wird, also egal ob das von Rolls-Royce vorgeschriebene Castrol RR363 oder irgendein anderes Produkt DOT 3 / 4 / SL - diese Geschichte beweist, daß dem nicht so ist.

Vor kurzem stand an einem Shadow I , Jahrgang ´75 die Erneuerung der Bremsflüssigkeit, verbunden mit dem Austausch aller Bremsschläuche an.

Als das Fahrzeug kam, fiel mir jedoch auf, daß das Heck, insbesondere auf der rechten Seite sehr hoch stand (fast 74cm) - dies deutete schon darauf hin, daß am Hydrauliksystem irgend etwas nicht 100% korrekt sein würde.

 

Wir vereinbarten also, daß die Flüssigkeit zu erneuern sei, die Bremsschläuche gewechselt werden und schließlich die Höhe des Hecks neu eingestellt wird - soweit – so gut.

Wir machten uns daran die Bremsschläuche auszutauschen, entleerten das System und befüllten neu, natürlich mit RR363, eingefüllt durch die geöffneten Schraubverschlüsse im Deckel des Vorratsbehälters.



Als wir das System dann entlüfteten kam die Ernüchterung - Druck vorne an beiden Seiten und auch hinten rechts (dort wo das Heck vorher schon höher stand) - nur an den Nippeln auf der linken hinteren Seite blieb es trocken - kein Bremsdruck - kein Tropfen Bremsflüssigkeit.....

 

Schnell war klar, im System muß ein Stau sein - nur wo und warum?

Wir öffneten zunächst den Behälterdeckel und da traf uns dann fast der Schlag.

Hunderte von Blasen innerhalb des Behälters, an allen Bauteile, teils mehr als daumennagelgroß und einige davon auch schon aufgeplatzt.

Falsche Bremsflüssigkeit hatte den Lack angegriffen, angelöst und zerstört - mit verheerenden Folgen.

Na prima, wenn sich dieses aufgelöste Lackmaterial im feingliedrigen Hydrauliksystem breit gemacht hat, dann gute Nacht.

 

Eigentlich sollte der Vorratsbehälter von innen gar nicht lackiert sein, aber eine jüngste Nachfrage bei BENTLEY (vielen Dank lieber Carl hierfür) bestätigt, daß rund 1000 Fahrzeuge mit genau solchen Behältern in Umlauf gelangt sind.

Eigentlich sollten diese, laut BENTLEY alle schon längst im Rahmen der Servicewartungen aussortiert sein - das jedoch halte ich persönlich einen für einen Wunschgedanken.

Die logische Konsequenz war, daß hier nur eine komplette Renovierung des Behälters Sinn machen würde, verbunden mit dem Versuch und der Hoffnung mit nicht allzu großem Aufwand (also nicht die kompletten Leitungen , Ventile und Stellglieder ausbauen etc.) die Blockade im

System in den Griff zu bekommen.

 

Der Behälter wurde demnach ausgebaut und komplett in seine Einzelteile zerlegt.

Ein fürwahr nicht schöner Anblick - Rost und Lackblasen allenthalben, dazu waren zwei der drei Filter im Inneren des Behälters aufgerissen und so konnte auch die abgeplatze Farbe ins System gelangen.

Nachdem wir nun die Leitungen unter Druck gesetzt hatten, haben sich irgendwann und nach viel Probieren und Wiederholen aus zwei Leitungen "Lack-/Dreckböllechen" gelöst und kamen am Ende der Leitung zum Vorschein. Bleibt zu hoffen, das damit die Blockade überwunden ist und

sich die Lady wird entlüften und höhenmäßig einstellen lassen.



Inzwischen war der Behälter in einen Spezialbetrieb für Galvanik überführt und eine komplette Restaurierung in Auftrag gegeben worden.

Der Behälter und alle Teile des Innenlebens (bis auf die Filter und des Deckelfilters) wurden zunächst sand- und danach glasperlengestrahlt um den Lack und den Rost vollständig zu entfernen. Danach wurden alle Teile von Hand nachbearbeitet und neu galvanisch verzinkt.

Die Prozedur dauerte fast drei Wochen - das erste Ergebnis stellte mich nicht vollends zufrieden, da leichte „Wolken“an der Außenhaut von Behälter und Deckel zu erkennen waren und dies sah aus, als wäre "schlecht lackiert" worden - also alles noch einmal.

Das Ergebnis war schlicht beeindruckend.



Nun steht der Zusammenbau und die anschließende Befüllung, Entlüftung und Einstellung der Hydraulik bevor - und wir wollen hoffen, daß alles ein gutes und vor allem auch schönes Ende findet.

Und wieder einmal zeigt sich, daß man auch etwas kaputtsparen kam, nämlich wenn man statt des empfohlenen RR363 irgendeine (günstigere) Bremsflüssigkeit verwendet, die von Rolls-Royce / Bentley nicht freigegeben wurde - irgendwas werden sich die Ingenieure schon dabei gedacht haben und sicherlich wurde das ganze damals auch entsprechend getestet - denn wo wäre sonst der Sinn?

 



Ohne Worte - seht selbst.