So war das eigentlich nicht gedacht...

Ich hätte nie geglaubt, dass mir so etwas mit meinem Corniche Coupe wiederfahren wird.
Als ich vor sieben Jahren dieses Auto in ebay sah, war es sofort um mich geschehen.
3-2-1-meins und lange warten bis das gute Stück über den grossen Teich aus USA  in Rotterdam ankam.
Es folgten viele tausend Meilen und Reisen durch Europa ohne grosse Probleme, dafür aber mit um so mehr Freude an diesem schönen Coupe.
Also planten wir in 2010 wieder die Annual Rally des RREC at Rockingham Castle zu besuchen.
Diese Veranstaltung gehört für uns mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Kalender.
In diesem Jahr sollte alles anders sein als sonst, denn kaum auf englischem Boden angekomen ereilte uns ein kapitaler Motorschaden.
Nachdem wir den Schock verdaut hatten wurde der  "Weisse" per ADAC abgeholt und in Richtung Heimat verfrachtet.
Wir liessen uns nicht beirren und verlebten mit Freunden einen sehr schönen Urlaub in UK.
Jeder Urlaub geht mal zu Ende und nun hiess es Ursachenforschung zu betreiben, warum der Weisse derart in Schall und Rauch aufgegangen war.


Noch in UK war klar, dass die Corniche zu Swen nach Karlsruhe in seine Lifestyle GmbH überführt werden sollte.
Swen geniesst mittlerweile einen sehr guten Ruf unter Oldtimerfreunden im besonderen der Bentley und Rolls Royce Fraktion. da er und seine Leute die Liebe zu den alten Schätzchen mitbringen und einfliessen lassen.
So weiss ich mein Coupe in den besten Händen, was im Lauf dieser Geschichte mehrfach unterstrichen wird.
Sofort nach dem Urlaub wurde der Motor ausgebaut um der Ursache auf die Spur zu kommen.
Nach Demontage der Zylinderköpfe zeigt die rechte Bank ein trauriges Bild.
Hier mussten Hitzenester entstanden sein, die sich mit der Zeit langsam durch den Block frassen und irgendwann war das Waser nicht mehr zu halten. welches dann auf einmal durch die Brennräume gedrückt wurde . Die Bilder zeige deutlich die Ausbrüche an allen vier Zylindern.
Da der Motor jetzt draussen war konnte man sich natürlich wunderbar das Blech ansehen, was ebenfalls nicht viel Anlass zur Freude gab.


In die Frontschürze war eine US-Zeitung von 1990 eingearbeitet und schön sauber verspachtelt worden.
Der Querträger war so gut wie gar nicht mehr vorhanden und musste komplett erneuert werden.
Dieser erbarmungswürdige Zustand zeigte sich bei näherer Betrachtung um das ganze Fahrzeug herum.
Hier war guter Rat teuer, was sollte geschehen?
Nur den Motor machen und den Rest so lassen?
Das konnte ich mit meiner Seele nicht vereinbaren also gab ich grünes Licht für eine Totalrestauration.
Alles Blech sollte kernsaniert werden, der Motor komplett neu überholt und auch der Innenraum sollte inclusive Holz in neuem Glanz erstrahlen.
Mir war klar dass dies eine etwas grössere Investition sein würde, ich aber das Fahrzeug nicht verkaufen konnte, da es nun mal mein Auto war, an dem ich sehr hänge.
Vom ersten Tag an ging Swen zur Sache, als wenn es sich um sein eigenes Auto handeln würde. Wer den "Wagenmeister" kennt, weiss was das an Akribie und Präzision mit sich bringt. Mehrfach die Woche bekomme ich ein Update von Ihm, was meine Neugier auf das Endprodukt zum Platzen steigen lässt.


Der komplette vordere Fahrschemel wurde gestrahlt und anschliessend pulverbeschichtet. Das Teil liegt da wie erst gestern in der Fabrik hergestellt.
Schläuche, Leitungen, der Behälter für Bremsflüssigkeit alle Schrauben. eigentlich alles was so im Motorraum zu sehen ist, wird oder wurde bereits erneuert oder aufgearbeitet. Ich denke die Bilder lassen auf die Qualität der Arbeit schliessen. Siehe Bildergalerie am Ende.
Swen hat einen Blechschlosser in seinen Reihen, der das Handwerk noch von der Pike auf gelernt hat. Dieser Mann dengelt noch von Hand und hat für jedes noch so aussichtslose Problem eine passende Lösung parat. Für mich ist das ein Künstler , der nach eigener Aussage einen Mordsspass an der Arbeit an der Corniche hat.
Es ist die reine Freude mit an zu sehen, wie dieser Mann Bleche formt, hier dengelt und da mal mit leichten Hammerschlägen korrigiert.
Das Ergebnis ist mehr als beeindruckend und steht den industriell gefertigten Teilen in nichts nach. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass er seine Seele mit einbringt, seine Liebe zum Detail und zu dem was er da tut, ist allgegenwärtig.
So stehe ich voller Bewunderung vor dem fertigen Ergebnis und freue mich darüber, dass so ein Künstler an meinem Auto arbeitet.
Nachdem die Front des Fahrzeuges wieder hergestellt war wusste ich, dass das Auto mal wie neu sein wird. Aber bis dahin war und ist es noch ein weiter Weg.
Gnadenlos und unerbittlich wurde ein Problem nach dem Anderen zu Tage befördert.
Die Schweller waren rundum hinüber, teilweise und das fand ich richtig krass, waren sie mit Beton ausgegossen.
Das Heckblech war de facto gar nicht mehr vorhanden, hier hatte man mit Beton die Konturen herausgearbeitet, irgendwie auch eine Art von Kunst auf die ich hätte gut verzichten können.