A Dream Comes True...

Erwerb und Restauration:  Rolls Royce Silver Cloud III, Bj. 1963


Es ist Anfang 2010 und das kommende Frühjahr naht. Endlich möchte ich mir einen großen Traum erfüllen; ich möchte den für mich schönsten Nachkriegs Rolls Royce Silver Cloud oder Bentley S I bis III fahren, mein Eigentum nennen.  Mein Budget ist stark begrenzt, einen bestens restaurierten also werden wir uns nie leisten können, es heißt also Kompromisse machen.
Die große Frage ist: Rolls oder Bentley, einen frühen aus der Mitte der Fünfziger, ich selbst bin einer aus den ganz frühen Fünfzigern, mit 6 Zylinder Motor oder den späteren mit 8 Zylindern. Wenn ich ein solches Auto besitze, möchte ich es auch bewegen und das nicht zu knapp. Also liegt die Priorität bei einem Cloud III und ein Rolls sollte es auch sein, ich hatte ja bereits ein wenig Erfahrung gesammelt mit meinem ersten Shadow und die war durchweg positiv.
Ich recherchierte lange Nächte  Angebote auf unseren Clubseiten und die Internet Eintragungen in D, NL, USA und UK und suchte mir einige in meinen Budgetrahmen passende Autos raus. In UK wurde ich fündig und wir fuhren kurz entschlossen nach England.



Letztendlich kaufte ich diesen...

Der Bentley war zweifarbig, in silversand unten, Dach/Haube Kofferdeckel in dunklerem braun, innen hatte er Leder Magnolia mit geringer Patina, das Holz war durchaus in sehr gutem Zustand. Wir fuhren anschließend gemeinsam
eine kleine Strecke, Peter war ein sehr sympathischer Mann in meinem Alter.
Er hatte es offensichtlich geschafft, einen Großteil seiner Zeit des Jahres verbrachte er auf seinem Anwesen in Südfrankreich, der Bentley stehe dadurch viel zu lange nur so rum, einfach zu schade. So war ihm auch angenehm, dass wir mit Euro zahlen wollten und nicht erst in Pounds wechseln müssten.
Aber zurück zum Auto, denn so weit waren wir noch lange nicht. Die Probefahrt
war also sehr gut, er fuhr sich sehr angenehm, soweit ich das beurteilen konnte. Der Bentley war also offensichtlich in einem recht ordentlichen Zustand, meiner Frau gefiel er sehr gut. In meinem Kopf allerdings ratterte es,
es war ein Bentley II, kein Cloud und kein III er Cloud und die Farbkombination, na ja…..
Wir gingen in die Preisgespräche, Peter zeigte sich als wenig kompromissbereit,
ließ zwar etwas im Preis nach, aber nicht so weit, wie wir uns das vorgestellt hatten. Sicher war es kein Notverkauf von Peter. Ich wedelte mit meinen Euros
um ihn weich zu machen, er blieb hart und bei seinem Preis. Meine Euros reichten nicht aus und es war Sonntag. Peter besprach sich mit seiner Frau und
teilte uns mit, dass wir an diesem Sonntag ohnehin den Deal nicht abschließen
konnten, denn Peters Frau traute unseren Euros nicht, sie wollte diese am Montag bei der Bank einzahlen und erst dann den Bentley rausrücken, verständlich, man (MANN) sollte öfters auf seine Frau hören, das wird sich später noch bewahrheiten.
Wir trennten uns also an diesem sonnigen Februar Tag mit der Absicht, am nächsten Vormittag nochmals zu sprechen, eine Bank aufzusuchen, um mein fehlendes Geld zu organisieren und die Scheine prüfen zu lassen. 


So sah er innen aus...

Es war früher Nachmittag und ich hatte einen Cloud III im Kopf, den ich in meiner Wunschfarbe gesehen hatte. Er war aber in der Nähe von Manchester,
runde 450 km entfernt, einfach. Kurze Besprechung, also schon ging´s los Richtung Manchester, an London vorbei, zäher Verkehr, aber es ging.
Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Ziel und Barry zeigte uns seinen Cloud III in meiner Wunschfarbe, tudorgrey over shellgrey mit graublauem Leder. Es waren halt meine Farben, nicht die meiner Frau, so sah ich über vieles hinweg, was mich normalerweise hätte abhalten sollen, über einen Kauf nach zu denken.
 Ich tat es trotzdem, ich war wild entschlossen, den IIIer Cloud zu kaufen, er lief auch schön, zwar nur im Stand, aber Wunschfarbe halt. Barry kam uns im Preis entgegen, die Mängel, die teils offensichtlich waren, so glaubte ich, können wir mit geringem Aufwand in den Griff bekommen, wir kennen ja Franz und haben viele Clubfreunde. Im Sommer 2010 wollte ich stolz wie Oskar fahren, im hergerichteten Cloud III.
All meine Überredungskunst war vergeblich, meiner Frau gefiel der Bentley S II und mir der Cloud III. Lieber Leser, Ihr erinnert euch an meinen Rat von zuvor: Auf die Frau hören!
Mein Dickkopf setze sich durch, am nächsten Morgen machten wir den Deal mit Barry perfekt, zahlten an und fuhren zurück zur Fähre, um nach Hause zu fahren. Der Cloud war zwar in meiner Wunschfarbe,….aber fahren? No!  Die Bremsen, er habe zu lange gestanden, davor fuhr Barry  ab und zu  Hochzeiten, er war krank, wie er sagte, sah aber gesund aus und war geschäftstüchtig.
Zu Hause angekommen organisierten wir den Transport und zahlen den Rest.
Der Cloud kam dann zwei Wochen danach mit einem Transporter. Es ist ein Rolls, genauso rollte er vom Transporter, er rollte und rollte, ohne zu
bremsen.
Jetzt ging es los, wer konnte sich an die meiner Meinung nach geringen Restaurationsarbeiten machen? Ich stellte das Auto einigen Restauratoren vor, einige winkten ab, aus Zeitmangel, einer wollte unabgesprochen sein Angebot vergoldet haben, usw…. einige trauten sich die Arbeit nicht zu. Mein Freund Franz sagte schließlich im Sommer zu, sich an die Arbeit zu machen, die Bremsen hatten Priorität, damit ich mal fahren konnte, aus dem Sommer wurde ja eh nix mehr, es war schon Sommer, wenn auch ein mieser.
Eine helfende fachmännische Hand kam dazu, er wohnt zwar 400 km von uns und unserem Cloud weg, aber er ist trotz allem da mit seinem Fachwissen und seiner handwerklichen Praxis. Mit meinen zwei linken Händen bin ich auch mal dabei. Es wird (Spät-)Herbst und der Cloud fährt, aber sehen lassen können wir uns damit nicht. An der Karosse wurde noch nichts gemacht und die Mängel sehen wir auch jetzt erst so richtig, aber er ist halt in meiner Wunschfarbe.


Im Winter geht es dann also so richtig los, beide vordere Kotflügel müssen runter, die selbst sind teils nur noch von den vielen Schichten Lack gehalten worden. Barry sagte uns, es ist auch belegt, dass vor 25 Jahren beide Kotflügel
vorn ausgetauscht wurden, aber 25 Jahre sind auch viel Zeit. Da war ich ja auch noch dunkelhaarig. Auch die Kotflügel hinten mit den Innenkotflügeln bedürfen einer radikalen Erneuerung. …. und erst der Unterboden, Batteriekasten …. usw. Ich hör hier mit der Aufzählung auf.
Eine Woche vor Pfingsten ist er nun nach der Ganzlackierung fertig geworden
und er macht uns riesig Freude.

Der TÜV ärgert uns noch etwas, aber das lösen wir auch noch.

Nur eins noch, der Motor ist wirklich gut, er läuft nun nach der richtigen Einstellung sehr gut, letzte Woche haben wir ca. 1000 km problemlos quer durch Süddeutschland gefahren und an der BOSCH BOXBERG KLASSIK teilgenommen, ein Erlebnis.
Aber auch da gab es Überraschungen, im Herbst bei den ersten Ausfahrten
war die Motortemperatur nicht ausreichend. Also haben wir ein defektes Thermostat vermutet. Wir öffneten die Stelle, wo normalerweise ein Thermostat sitzen sollte, es war keines mehr darin. Das ist natürlich eine Lösung, ein defektes Thermostat einfach raus nehmen, fertig.
Einige Teile fehlten, wie Wagenheber etc. die mir Johannes freundlicherweise
aus seinem Schlacht – Bentley unentgeltlich gab, herzlichen Dank dafür.   

Hurra, jetzt fährt er, unsere Cloud III und wir können uns damit sehen lassen.

Herzlich Dank an alle sehr engagierten Helfer, Franz, Andreas und Johannes.

Sorry Tanja, ich hör künftig besser auf Dich.

Essenbach, der 01.08.2011
Wolfgang Müller