Rockingham Castle 2010

 

Ich sitze heute auf meiner sonnigen Terrasse und denke gerne an die Tour nach England zurück.

Schon im letzten Jahr war klar, dass wir auch in 2010 die Annual Rally des RREC besuchen werden.

Schnell war klar, dass Swen  &Eva, Olli & Martina, Wolfgang & Tanja, und Heiner & Babs uns auf der Insel treffen werden.

Wie schon in einem anderen Bericht erwähnt fing die Reise für Babs&Mich mit Hindernissen an.

Wie wir es mittlerweile von unserem „Weissen“ gewohnt sind wollte er auch in diesem Jahr zur Abfahrt nicht anspringen.

Wie im Vorjahr, so verhext es klingen mag war am Vortag noch alles in Ordnung, sollte er am nächsten Morgen gänzlich stromlos da stehen, als wollte er sagen: „Mit mir fahrt Ihr am besten nicht“



Noch schnell in die Werkstatt...

Wie sich später heraus stellte hätten wir besser auf „Ihn“ gehört.

Mit zweistündiger Verspätung konnte aber unsere Reise beginnen.

Die 480 Kilometer bis zum Eurotunnel waren schnell abgespult und wir konnten uns am Zoll sofort für den nächsten Zug einreihen.

Zu meinem Erstaunen sah ich im Rückspiegel Swen`s schwarzen Silver Shadow zwei Fahrzeuge hinter uns.

Eigentlich sollten sie mit den Anderen auf der Fähre nach Dover sein.

Kaum zu Ende gedacht lief auch schon Eva auf unser Auto zu und erzählte im Telegrammstil, dass man Ihnen wegen Jack bzw. einem seit drei Tagen abgelaufenem Datumsstempel in dessen Impfpass die Einreise verweigerte. Also gab Swen Gummi und versuchte sein Glück beim Zoll des Eurotunnel, an dem wir jetzt standen.

Eva lief zurück nachdem sie uns mitgeteilt hatte, dass Jack im Kofferraum sitze und man hoffe, dass man die Kontrollen so passieren könne.

Holla die Waldfee, das konnte eng werden.

Die Fahrzeuge vor uns passierten den Zoll und so kamen wir an die Reihe.

Babs reichte dem Zöllner unsere Pässe und wurde sofort gefragt, wer denn die blonde Frau sei, die auf unser Auto zu gelaufen war.

Das war die Gelegenheit, ich erzählte von einer Einladung des RREC zur Annual Rally at Rockingham Castle, dass es Freunde von uns seien, die mit uns reisen und dass wir uns auf UK freuen.

Ich hatte nicht den Eindruck dass er etwas mit Rockingham Castle anfangen konnte, aber eine Einladung des RREC fand er sichtlich beeindruckend.

Er wünschte uns sehr freundlich viel Spaß und eine gute Fahrt.

Wir passierten den Zoll und warteten bis Swen & Eva an der Reihe waren.

Das Fahrzeug vor Swen & Eva wurde zur Sicherheitskontrolle beordert und Swen & Eva wurden problemlos durch gewunken.

Das war aufregend und nicht nur Jack, der sich mucksmäuschenstill im Kofferraum verhielt, sondern auch wir waren heilfroh diese Hürde genommen zu haben.

Die Verladung in den Zug ging wie immer schnell und ohne Probleme und so fuhren wir auch schon durch die große Röhre.

Jack war etwas verstört, brauchte etwas Zuwendung und Aufmunterung hatte aber bald sein Trauma Kofferraum überwunden und war wieder ganz der Alte.



Endstation Motorway

Aus dem Zug raus wurden unsere Fahrzeuge noch einmal vollgetankt, denn wir hatten noch ca 200 Kilometer bis nach Market Harborough, wo wir ein Hotel gebucht hatten.

Sehr weit sollten wir aber nicht kommen, Babs meinte ein Geräusch zu hören, was Sie bis dato nicht kannte, ich stimmte zu, gab Gas aber es kam keine Leistung mehr. Was nun folgen sollte war mir schlagartig klar und bestätigte sich beim Blick in den Rückspiegel. Wir sahen hinter uns nur noch eine riesige weiße Wand. Ich ließ den „Weissen“ austrudeln und stellte sofort den Motor ab.

Erst Diagnose, Zylinderkopfdichtung durch – eine Weiterfahrt unmöglich.

Sicher war ich geschockt, wollten wir doch Urlaub in UK machen und hatten uns auf die schönen Fahrten über Land gefreut – vorbei. Die Situation war irgendwie doof, dass ich schon wieder lachen musste, weil es war so klar, dass es mit diesem Auto nicht weitergehen wird, dass ein Aufregen wenig sinnvoll erschien.

Zwischenzeitlich stießen Wolfgang & sowie Olli & Martina dazu, die mit der Fähre gefahren waren. Entsetzen allenthalben aber passiert ist passiert, irgendwie musste es jetzt weiter gehen.

Wir beschlossen, dass die Anderen in Richtung Rockingham fahren werden und wir uns mit Hilfe des ADAC um unser Auto kümmern werden. Der Plan war mit einem Leihwagen die Tour fort zu setzen. Es begann eine Odyssee mit der AA, dem englischen Pendant zum ADAC, die ich an dieser Stelle nicht wieder geben will, da zu grotesk. Fakt war aber, dass es an diesem Tag keinen Leihwagen mehr gab. Babs&Ich übernachteten in der Pampa und schafften es am nächsten Morgen mit einem etwas „bestimmteren“ Auftreten einen Leihwagen zu ergattern.



The Annual Rally

Egal, wir konnten unsere Reise im 3er BMW fortsetzen und erreichten am Nachmittag unser Hotel. Von der ganzen Sache ziemlich geschlaucht, war erst mal eine Dusche und eine Stunde Augenpflege angesagt.

Die Anderen sind am Morgen nach Duxford in ein Flugzeugmuseum gefahren. Hier waren aus den verschiedenen Kriegen die Fluggeräte zu bestaunen.

Der Höhepunkt war aber die Möglichkeit in einer North American T6 mit zu fliegen. Die T6 war ein beliebtes Trainingsflugzeug der US Air Force im Zweiten Weltkrieg. Olli & Swen ließen sich diese Gelegenheit nicht entgehen und so startete jeder zu einem etwa 20-minütigen Flug.

Das größte war sicher für die Beiden, dass der Pilot das Ruder an Sie übergab und Sie nach Anweisung Ihre Runden drehen durften. Es muss schon ein tolles Gefühl sein so einen Apparat selbst zu steuern. Die Beiden waren jedenfalls nach dem Flug Feuer und Flamme für das gerade erlebte, setzte der Pilot noch einen drauf und fragte, ob er denn ein paar Kunstflugformationen fliegen dürfe. Olli & Swen stimmten zu und bereuten es nicht.

Es ging in Schrauben, Loopings und Flüge auf dem Rücken munter weiter – ganz ehrlich ich weiss nicht ob ich das auch so gemacht hätte. Auf jeden Fall meine Anerkennung für unsere beiden Helden.

Die anderen unternahmen einen Rundflug in einer DH 89A Dragon Rapide und hatten ebenfalls ihre helle Freude an diesem einzigartigen Erlebnis.



Schnell noch putzen...

Am späten Nachmittag trafen wir uns dann alle auf Rockingham Castle zur ersten Beschnupperung des Geländes. Es war ähnlich großzügig wie vormals in Kelmarsh Hall. Die Zelte der Aussteller und die des RREC standen in einer Reihe, das Angebot war ebenfalls mit den früheren Veranstaltungen zu vergleichen. Für die Preview bei Bonhams hatten wir leider keine Karten, war aber nicht schlimm, weil wir am nächsten Morgen freien Zugang zu den zu versteigernden Exponaten haben werden.

Auf den ersten Blick fiel auf, dass der Zustand der Fahrzeuge wesentlich besser war, als in den Jahren zuvor. Es gab tolle Fahrzeuge zum restaurieren, im Originalzustand sowie einen toprestaurierten Phantom III Open Tourer.

Am Samstag-Morgen wurden erst einmal die Fahrzeuge gewaschen. Es war zwar noch kalt draußen, aber das Wetter versprach Besserung. Olli&Swen hatten sich zum diesjährigen Concours d`Elegance angemeldet. Also war klar, dass die Karossen um die Wette strahlen mussten, wollte man doch eine fachkundige Jury davon überzeugen, dass es sich hier um zwei preiswürdige Fahrzeuge handele.

Wie immer wurde diese Sache sehr ernst genommen und so widmeten die Jungs all Ihre Aufmerksamkeit Ihren Fahrzeugen. Wolfgang war außer Konkurrenz, was seinen Einsatz am Hochdruckreiniger aber in keinster Weise schmälerte. Ich war dabei, die Jungs gaben alles.

Auf Socken fuhren wir nach Rockingham, durften doch die Overrugs keinen Krümel mehr ab bekommen. Nun gut das entspricht nicht ganz der Wahrheit, aber ich traute mich echt nicht in Swen`s Lady die Füße auf den Boden zu stellen.



Die strengen Augen der Jury...

At Rockingham angekommen machten wir erst einmal einen Rundgang über den Platz, schauten uns die Fahrzeuge der Händler an, besuchten die Zelte der Zubehöraussteller, Rockingham Castle hatte begonnen.

Gegen Mittag, der erste Hunger meldete sich bauten wir erst einmal eine Wagenburg um etwas besser vor dem kalten Wind geschützt zu sein. Dann ging es endlich los unser Picknick. Auf der Hinfahrt haben die Mädels einen Supermarkt überfallen, Swen hat an der Türe „Schmiere gestanden“, haben geplündert was das Zeug hielt und all diese erbeuteten Köstlichkeiten kamen jetzt auf den Tisch. Wir genossen jeden Bissen, hatten viel Spaß und zu Hause und der Stress waren auf einmal ganz weit weg. Der Urlaub hatte begonnen, hatten doch Babs & Ich das Missgeschick mit dem Weissen längst verdaut.

So genossen wir den Tag auf Rockingham, es gab viel zu erzählen.

Die Mädels raaaaatschten über Dies & Das und die Jungs fachsimpelten über ihre Fahrzeuge und alles was man so damit erlebt hat. Es gab viel zu lachen, Als Swen aber anfing, die Erlebnisse mit seiner "Yacht" zu schildern, lagen wir unter dem Tisch und flehten um Gnade, da die Bauchmuskeln SOS funkten.

Am Abend stellten wir fest, dass man mit 10 Personen nicht so einfach einen Tisch zum Abendessen bekommt, da meistens ausgebucht.

Swen hatte die zündende Idee und fragte in einem Hotel nach und bekam eine Adresse ca 10 Meilen entfernt. Leute das war der Geheimtipp schlechthin. In einem alten Fachwerkhaus, urgemütlich eingerichtet stand ein Koch am Herd, dem alle Sterne der Welt hätte verleihen können. Schnell stellte sich gefrässiges Schweigen ein, das war aber auch lecker.



Picknick at Rockingham Castle

Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück, nein gar nicht wahr, es gab keinen Filterkaffee da die Filtertüten im Hotel aus gegangen waren, sollte heute der Tag der Entscheidung sein. Olli & Swen waren schon sichtlich angespannt und nervös, was würde die Jury zu Ihren Fahrzeuge sagen, haben wir an alles gedacht?, hat Heiner die Overrugs auch richtig sauber gemacht….? Fragen über Fragen standen in Ihren Gesichtern für alle gut lesbar geschrieben.

Also nicht lange rumgetüddelt - auf in die Schlacht, denen werden wir es zeigen. Schnell hatte man uns die entsprechenden Plätze zu gewiesen und so schnell konnten wir gar nicht gucken, hatten Swen & Olli schon wieder Putzzeug in der Hand. Die „oberflächliche“ Wäsche vom Vortag musste nun Ihr penibelstes Finish über sich ergehen lassen. Ich unterstützte wo ich konnte mit Zeigen auf die Schwachstellen, schau mal hier, schau mal da und da vorne ist auch nicht alles sauber….., machte ich mich schier unentbehrlich – so dachte ich. Wie dem auch sei, die Beiden waren so vertieft, dass sie das alles gar nicht mit bekamen.

Kurze Zeit später nahte die Jury, die in verschieden Kategorien die Fahrzeuge in Augenschein nahm. Mann, Mann, Mann, die nahmen es aber genau. Fehlte nur noch der weisse Handschuh im Auspuffrohr. Nee Scherz beiseite die waren wirklich gründlich, was die optische und technische Prüfung sowie die Fragen nach Fahrzeughistorie anbelangte. Nach ca. 20 Minuten, gefühlten drei Stunden, war der Spuk vorbei und die Beiden konnten durchatmen. Man hatte soeben alles gegeben.

Jetzt hieß es nur noch warten, ob es zu einem Preis gereicht hatte. Der Jury war nichts zu entlocken, die Jungs waren obercool, soll heißen überhaupt nicht ein zu schätzen.

So machten wir erneut unsere Platzrunde über das Gelände um Rockingham Castle, schauten nach dem Silver Spirit, wie bereit an anderer Stelle berichtet und genossen einfach den Tag. Das Wetter zeigte sich von seiner warmen Seite, so dass einem Picknick Teil II nichts im Wege stand.

Die Enttäuschung war Olli & Swen an der Nasenspitze ab zu lesen, hatten wieder Andere die Preise eingeheimst. Wir besichtigten die „Preisträger“, sicher alles schöne Fahrzeuge, einer war über jeden Zweifel erhaben, dennoch war die Entscheidung der Jury im Vergleich zu den Fahrzeugen unserer Beiden nicht immer nachvollziehbar. Dass alle Fahrzeuge rechtsgelenkt waren und UK-Kennzeichen hatten verbuchten wir unter „So ein Zufall“

Was soll`s, nicht ärgern, hat trotzdem Spaß gemacht „ Dabei ist Alles“

So saßen wir noch gemütlich in der Nachmittagssonne und ließen die diesjährige Annual Rally langsam ausklingen.

Olli & Martina fuhren am nächsten Morgen nach London und Swen & Eva, Tanja  &Wolfgang und Babs & Ich fuhren Richtung Wales nach Tortworth, wo wir für die kommende Woche Zimmer im Tortworth Four Pillars Hotel gebucht hatten. Solltet ihr mal in der Gegend sein können wir dieses Hotel nur wärmstens empfehlen. (http://tortworth-court-hotel.four-pillars.co.uk/location-and-grounds-_8/)

Von hier aus unternahmen wir bei schönstem Wetter Ausfahrten nach Bath, Chipping Campden, fuhren rüber nach Wales an die See und erfreuten uns an unserem neuen Wegbegleiter dem `96er New Spirit.

Jeder Urlaub geht einmal zu Ende, so auch dieser. Geblieben sind viel neue Eindrücke, die Gewissheit im nächsten Jahr diese Reise zu wiederholen und dass es mit Freunden noch viel mehr Spaß macht. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an alle Mitgereisten.